Corona-Pandemie

Gemeinsam „elementar christlich“ unterwegs auf neuen Wegen

Bibelteilen in Videokonferenzen

Morgens gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einen Bibeltext lesen, schweigen, sich austauschen, miteinander beten und so gestärkt in den Tag und die kommende Zeit gehen: Seit Beginn der Corona-Krise besteht für alle Hauptamtlichen in unseren beiden Kirchenkreisen das wöchentliche Angebot, sich am Bibelteilen per Videokonferenz zu beteiligen. Meistens trifft sich eine kleine Gruppe – und wir machen die Erfahrung, dass Christus zu seiner Verheißung steht: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18,20)

Für mich ist das, was wir bei diesen Online-Treffen erleben, modellhaft: Weil wir im Hören auf Gott und in der Ausrichtung auf sein Wort Orientierung finden, weil uns das Halt und Mut gibt, auch in der Krise.

In einem Blog-Beitrag spricht Jens Stangenberg vom Wiederentdecken solcher Elementarformen der Wir-Gestalt des Glaubens: „Zwischen Euphorie und Ermüdung – Wie Corona die (Fehl-)Annahmen der Moderne sichtbar macht und uns zwingt, christliches Leben wieder elementarer zu denken“.  Er berichtet dort von „Ankerzellen“, einem 30-minütigen Online-Format, das sich auf der „Suche nach einer Art geistlicher Brennstoff-Zelle“ entwickelt hat. Es besteht die Möglichkeit, sich einer solchen Ankerzelle anzuschließen (weitere Infos auf der Webseite) – oder bei unseren ca. 60-minütigen Bibelteilen-Treffen per Videokonferenz mitzumachen: Bei Interesse melden Sie sich gerne bei mir!

Thomas Steinke (thomas.steinke@evlka.de)

Corona-Erfahrungen im Kirchenvorstand bedenken

Fragen zur Reflexion, um gemeinsam aus Krisenerfahrungen zu lernen

Das Corona-Virus hält die Welt in Atem. Es hat unser Leben gehörig durcheinandergewirbelt – in allen Bezügen: privat und familiär, beruflich und gesellschaftlich – und auch kirchlich. In den Kirchenvorständen mussten in den vergangenen Wochen und Monaten schwierige Entscheidungen getroffen und eine Fülle von Handlungsempfehlungen bedacht werden. Schrittweise kehren wir an einigen Stellen ins analoge kirchliche Leben zurück.

Es lohnt sich, an dieser Schwelle die Erfahrungen der letzten Zeit gemeinsam zu reflektieren und miteinander zu überlegen, welches Zukunftspotential darin liegen kann. Dazu finden Sie hier unter dem Titel "Bleibt alles anders?!" ein ausgearbeitetes Format: Eine methodische Anregung für ein 60-Minuten-Gespräch im Kirchenvorstand. Sie können eins von drei Themen auswählen oder an drei verschiedenen Terminen mit diesem Material arbeiten, z.B. als Beginn von KV-Sitzungen.
Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen damit und würde mich über eine Rückmeldung freuen.

Gottes Segen für Ihre Arbeit im Kirchenvorstand!
Ihr Thomas Steinke
(thomas.steinke@evlka.de)

Kirchen schließen - Jesus rauslassen?

Kirchentheoretische Beobachtungen zur Veränderung von Kirche in der Corona-Krise

Philipp Elhaus beschreibt seine Beobachtungen zu den Entwicklungen in Kirche seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Ebenso wie vorangegangene Krisen wirkt diese wie ein Entwicklungsbeschleuniger: „Wir erleben offensichtlich das, was besorgte Zukunftsforscher*innen und Aktivist*innen noch vor kurzem mit manchmal verzweifeltem Gestus anmahnten: die große Transformation. Globale Veränderung ist möglich! Die Krise beschert uns einen paradox wirkenden globalen Entwicklungsschub auf fast allen Ebenen, der - mit zeitlichem Abstand – vermutlich zu Recht als spontane Sprunginnovation bezeichnet werden wird. Denn diese Sprunghöhe hätten wir nicht freiwillig genommen.“ Mit großer Kreativität und Experimentierfreude haben unterschiedliche kirchliche Akteure aus der Not zwangsweise geschlossener Kirchenräume heraus vielfältige neue Formate erfunden und neue Räume erschlossen, nicht nur im digitalen Bereich. Leidenschaftlich plädiert Philipp Elhaus dafür, diese Erfahrungen im Blick auf die weitere Kirchenentwicklung fruchtbar zu machen. Im Folgenden lesen Sie den Schluss seines Beitrags. Die Gliederung sowie den Link zum Download des gesamten Textes finden Sie im Kasten rechts.

Kreativ und vielfältig

Den kreativen Schub der letzten acht Wochen haben wir der Schließung der Kirchen zu verdanken. Es waren leere Kirchen, die ausnahmsweise nicht zu Krisendiagnosen und Depressionsschleifen führten, sondern zu einem ungeahnten, spontanen innerkirchlichen Aufbruch mit großer sozialer Reichweite und erstaunlicher Resonanz. Provokant gesprochen: mitten im Versuch, sich unter Optimierung des Normalprogramms gegen den gesellschaftlichen Wandel einer Religionskultur zu stemmen und dabei immer wieder einer hektischen Lähmungsstarre zu erlegen, hört die Kirche angesichts verschlossener Kirchentüren ein „steh auf, nimm deine Kirche und geh.“ Kirche geht aus dem Häuschen, nicht freiwillig, sondern verunsichert, zunächst zögernd-tastend, dann aber zunehmend bereitwillig, leichtfüßig und mit wachsendem Elan. Und findet auf den neu begangenen Wegen erstaunlich viele aufmerksame Passanten und Mitläufer*innen.
Zeichnet sich hier nicht eine Zukunftsaufnahme von der Kirche ab, die aus dem Konjunktiv der Imagination, wie Kirche sein könnte, den Weg in den Indikativ der Gegenwart gefunden hat: das ist Kirche!? Nicht nur gemeindesuchend und -bauend, sondern zugleich vielfaltig verbindend, fragend, vernetzend, handelnd, solidarisch und parteilich zugleich. „Zeit für neue Wege“ titelt das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD seine Umfrage bei Pastor*innen zu Erfahrungen mit der Corona-Krise (https://www.siekd.de/portfolio/befragung-von-pastorinnen-zur-corona-krise/). Prophetische Stimmen gehen über das Fragezeichen hinaus und versehen ihre Deutung der Krisenphänomene mit bedenkenswerten Ausrufezeichen (vgl. Thomas Halik, Christentum in Zeiten der Krankheit, http://www.theologie-und-kirche.de/halik-theologie-pandemie.pdf). Die Corona-Krise weise einen Weg aus der Kirchenkrise, weil in Beschleunigung des Endes von traditionellen kirchlichen Formen – symbolisch festgemacht an der Schließung von Kirchengebäuden und dem Ende des „geschlossenen Gottesdienstes“ – zugleich die Aufbrüche von neuen Formen des Kirche- und Christseins deutlich werden. Die Krise wird zum Entwicklungsbeschleuniger für die Konturen eines neuen Gesichtes von Kirche. Die leeren Kirchen erscheinen im nachösterlichen Licht als Gleichnis für das leere Grab und der biblische Hinweis lautet entsprechend „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?“ (Lk 24,6,). Hier wird die geistlich gedeutete Corona-Krise zum Ausgangspunkt einer neuen Suchbewegung, auf nach „Galiläa“ (Mt 28,10) – wo immer sich dieser Ort der verheißenen Gegenwart des Auferstandenen heute befinden mag – neugierig und mit leichtem Gepäck auf den Wegen der Verheißung. Es ist ein Leichtes, auch diesen hoffnungsvoll-provokativen Ausblick wie einst die Rede der Frauen vom leeren Grab als „Geschwätz“ (Lk 24, 11) abzutun. Aber damit bringt man sich und die Kirche um einen Hoffnungshorizont, der den eigenen Standort und den Zukunftsweg neu ausrichtet und orientiert. „Es gibt so viele Hoffnungsgeschichten wie lange nicht mehr in unserer in ihren Formen und Strukturen erstarrten Kirche. Es scheint so, als habe der Heilige Geist selbst die Betreuung des Glaubens übernommen. Pfingstfest schon jetzt – wundervolle Nachrichten“ schreibt Pastor Karsten Wolkenhauer aus Demmin (Evangelische Zeitung am 10.5.2020, S.20) und bemüht das nächste kirchliche Hochfest, um die Ereignisse zu deuten.

Autor

Philipp Elhaus ist Leitender Referent der Missionarischen Dienste im Haus kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers.

Seit vielen Jahren befasst er sich intensiv mit Fragen zur Entwicklung und Zukunft von Kirche.

(Kontakt: Tel. 0511 1241-457, E-Mail: elhaus@kirchliche-dienste.de)

 

Kirchen schließen - Jesus rauslassen?

Kirchentheoretische Beobachtungen zur Veränderung von Kirche in der Corona-Krise 

1. Krisen als Entwicklungsbeschleuniger

2. Not lehrt beten – und macht erfinderisch

3. Digital, in den eigenen vier Wänden und im Sozialraum - Raumdimensionen

4. Kreativ und vielfältig – das hybride Gesicht der Kirche in der Krise

5. Konturen einer pilgernden und priesterlichen Kirche

 

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Lesen Sie den gesamten Beitrag von Philipp Elhaus.

Sie finden ihn zum Download hier.

 

Konturen einer pilgernden und priesterlichen Kirche

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lk 9,26) Re-Visionen sind keine hilfreichen Bilder für Wege in die Zukunft. Dies gilt auch für die Rückkehr zum vermeintlichen Normalprogramm. In den vielfältigen kirchlichen Reaktionen auf die Coronakrise haben sich spontan neue Konturen von Kirche gezeigt, die in der Zukunft auch gezielter verfolgt werden sollten. Damit sind nicht nur die neuen hybriden Formen analoger und digitaler Kommunikation des Evangeliums gemeint. Sondern vor allem ein Kirchenbild, das sich mir in besonderer Weise aufdrängt. In der Krise ist es der Kirche gelungen, aus bislang für notwendig gehaltenen Räumen auszuwandern und als pilgernde Kirche zugleich nah bei Gott und nah bei den Menschen zu sein. Nehme ich die Kirchen und den Sonntagsgottesdienst als performative Symbole einer vergehenden Christentumskultur wahr, so wird hier ein pilgernder Exodus in neue, unbehaustere Formen sichtbar. Formen, in denen die Kirche nach wie vor re-generativ an kulturelles und institutionelles Erbe anknüpfen kann, sich aber zugleich damit in neuer Weise risikoreich aussetzen muss. Formen, in denen die Kirche als Akteurin in der Zivilgesellschaft ihren Öffentlichkeitsauftrag im Sinne der Universalität des Evangeliums inklusiv wahrnimmt, ohne vereinnahmen zu wollen oder zu können. Formen, in denen die Kirche stellvertretend vielfältige Zugänge zu dem Leben schaffenden Geheimnis offen hält, dass sie selber Gott nennt. Und Formen, in denen sie ihre Welt immer wieder in Dank, Fürbitte und Klage in den Horizont der Heilsgegenwart Gottes rückt. So bleibt Kirche unterwegs – in der Spur der Nachfolge Christi und zugleich in der Nähe der Menschen – und wird ihren eigenen Weg im Gehen finden – als pilgernde und zugleich priesterliche Kirche. 

Die Corona-Krise wird den Kirchen keinen dauerhaften kulturellen Landgewinn bescheren. Krisenbedingte Erfolgszeiten haben bekanntlich sehr geringe Halbwertszeiten. Aber die Corona-Krise hat der Kirche einen Weg in die eigene Tiefe gewiesen, aus der sie neue Wege für die Zukunft re-generieren kann. Mit schmerzvollen Abschieden einerseits und in Anknüpfung an den Reichtum ihrer Tradition, ihrer Formen und ihrer Akteursebenen andererseits – und zugleich auf dem Weg in eine neue religionskulturelle Situation, die mit einem Minderheitenstatus verbunden und zunehmend weniger vom kulturellen Erbe als vom kreativen und kontingenten Zusammenspiel von Menschen, Ideen, Räumen, Orten und Ressourcen leben wird. Darum sollte bei der momentanen Rückkehr zu vertrauten Formen die Chance des Aufbruches nicht verspielt werden. Diese Chance ist – paradoxer Weise – mit einem mentalen und faktischen Ausbruch aus Kirchenräumen verbunden. Raumverknappung hat sich im Nachhinein als Initialzündung für Raumgewinn anderer Art erwiesen. In gewagt-geistlicher Deutung: Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er eine andere. Eine Rückkehr zu einem vermeintlichen Normalprogramm, die sich als mentaler und faktischer Rückzug erweist, wäre in dieser Hinsicht nicht nur für die Kirchenentwicklung hinderlich, sondern Ausdruck von Kleinglauben. Wo der Auferstandene durch geschlossene Wände in die unmögliche Wirklichkeit des neuen Lebens tritt, sollte seine Kirche nicht an der Schwelle verharren. Sondern dem folgen, der Tür und Weg zugleich ist.

Mit diesem Ausblick ist primär eine Haltung intendiert, kein pragmatischer Masterplan. Eine Haltung, die zu Abschieden ermutigt, Vertrauen investiert, Kreativität weckt und Innovation hervorruft. Eine Haltung, die von der Leidenschaft lebt, das Evangelium auf vielfältige Weise phantasievoll zu teilen. Der „wahre Schatz der Kirche“ gehört unter die Menschen. "Wo der Glaube ganz unter die Bank gesteckt worden ist, erkennt niemand Christus als Herrn" (Martin Luther).

Philipp Elhaus, 15. Mai 2020 

"Bed and Blessings"

Sommerangebot für Familien in der FuB Oese vom 16.7. – 5.8.2020

Für alle Familien, deren Urlaubspläne wegen der Corona-Krise geplatzt sind, bietet die Freizeit- und Begegnungsstätte in Oese ein besonderes Kinderferienprogramm an.

Hinter "Bed and Blessings" steht die Idee, einen Tapetenwechsel zu ermöglichen: Als Zeit für ein gutes Miteinander und als Entlastung für Eltern.

Zu günstigen Konditionen öffnet die FuB für sie alle das nagelneue Haus 3. „Ein gutes Ziel muss nicht fern sein, aber weit weg vom Alltag!“, heißt es im Ankündigungs-Video. Weitere Infos finden Sie außerdem unter Termine.

Hoffnungsträger-Aktion

Mutmachendes für Kita- und Grundschulkinder

Die häusliche Isolation geht weiter. Die meisten Kita- und Grundschulkinder müssen zu Hause bleiben – ohne gewohntes Umfeld, Freunde, Spielplätze. Eltern sind oftmals verunsichert, manchmal auch ängstlich. Durch die weggefallene Kinderbetreuung durch Einrichtungen und Großeltern zum Teil auch stärker belastet als sonst. Die Corona-Krise wird wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Umso wichtiger erscheint es, neben allen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, Zeichen der Hoffnung zu setzen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Die Hoffnungsträger sollen genau hierzu ein kleiner Beitrag sein.

Die Hoffnungsträger sind kleine Beutel mit einem Inhalt, der sich an Familien richtet. Sie sind gefüllt mit mutmachenden Geschichten, interessanten Bastelideen und vielen bunten Anregungen. 

Familien mit Kindern im Kita- und Grundschulalter werden dazu eingeladen, sich einen der Beutel aus unserer Hoffnungsbox abzuholen.

Diese ist an einem zentralen, gut erreichbaren Ort positioniert (in unserem Fall gegenüber der Rotenburger Stadtkirche beim Diakonischen Werk, Am Kirchhof 12).

Die Beutel können unter Berücksichtigung der geltenden Hygienemaßnahmen aus der Box selbst entnommen werden.

Wer eine ähnliche Aktion im eigenen Ort durchführen möchte, findet weitere Infos und Kontaktdaten im Kasten rechts.

Stefanie Greiner & Benjamin Haase,
Ev. Lebensberatungsstelle im
Diakonischen Werk Rotenburg

Weitere Infos

zur Hoffnungsträger-Aktion stehen in diesem Brief

oder bekommen Sie in der
Ev. Lebensberatungsstelle Rotenburg
Telefon 04261 / 63039-60 (mo bis fr 9-12 und 14-17 Uhr)
E-Mail: lebensberatung.rotenburg@evlka.de

Pressebericht

Lesen Sie hier auch den Bericht in der Rotenburger Rundschau.

Auf Sicht fahren

Foto: pixabay.com

Theologische Positionslichter im Nebel

Die Corona-Krise hat uns ausgebremst. Wie eine Nebelwand stand sie plötzlich da, mitten auf der Straße, bei voller Fahrt. Mehrere Gänge mussten wir runterschalten. Und so fahren wir nun, mit gedrosseltem Tempo, auf Sicht.

Langfristige Pläne sind nicht möglich. Wir können nur von Tag zu Tag leben, allenfalls für ein bis zwei Wochen können wir uns auf die Lage einstellen. Immer unter dem Vorbehalt, dass die Situation sich wieder ändern kann und wir unser Verhalten erneut anpassen müssen. So viel ist jedenfalls klar: Dieser Nebel wird sich nicht so schnell verziehen.

Wie gehen wir damit um? Wie kommen wir damit klar? Persönlich, in unserem privaten Umfeld, beruflich – und wir in Kirche? Wo sind die „Katzenaugen“, an denen wir uns orientieren können? Und wo weist uns Gottes Geist vielleicht auf einen anderen Weg, an dem wir sonst so schnell vorbeirauschen? Wo macht er uns sensibel, genauer hinzuschauen und nicht aneinander vorbei, sondern ganz im Hier und Jetzt zu leben?

Michael Grimm, Pastor der Kirchengemeinde Elsdorf, verschickt in dieser Zeit wöchentlich Predigten. In seinen Begleitschreiben finden sich geistliche Gedanken zur gegenwärtigen Situation der Corona-Pandemie. Auf unterschiedliche Art weisen sie auf Gottes Liebe in Jesus Christus hin. Er ist die Sonne, die in unseren Herzen aufleuchten kann, auch wenn äußerlich noch Nebel herrscht.
Lesen Sie diese „Covermails“ auf der Unterseite.

Ostern: Was bleibt?

Was bleibt denn jetzt von Ostern? Wenn der Kurzurlaub entfällt, der Ausflug mit Freunden nicht möglich ist, der Verwandtenbesuch abgesagt werden muss, das Osterfeuer nicht durchgeführt werden kann, ja auch keine Gottesdienste in unseren Kirchen stattfinden dürfen? Was bleibt von diesem fröhlichen Fest im Frühling, vom höchsten christlichen Feiertag?
Ist uns denn überhaupt zum Feiern zumute? Ich empfinde es so und höre es auch von anderen: Es ist wie eine Dunstglocke, die sich durch das Corona-Virus über unser Leben, unsere Gesellschaft, ja über die ganze Welt gelegt hat und uns die Luft zum Atmen nimmt. Alle Selbstverständlichkeiten, alle Sicherheiten sind weggebrochen und uns wird kollektiv bewusst wie vielleicht nie zuvor: Wie zerbrechlich, wie gefährdet ist doch unser aller Leben! Wir können es nur schützen, indem wir zu Hause oder auf Abstand bleiben.
Und damit sind wir mittendrin im Ostergeschehen: Nachdem Jesus gefoltert worden und einen schändlichen Verbrechertod am Kreuz gestorben war, ist für seine Freundinnen und Freunde eine Welt zusammengebrochen. Sie dachten doch, dass er der versprochene Retter der Welt ist, der alles gut macht. Und sie hatten viel investiert, hatten alles hinter sich gelassen und waren ihm gefolgt. Und jetzt das! „Werden wir die Nächsten sein, denen es ans Leben geht?“ Aus Angst schließen sie sich zu Hause ein. „Da kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!“ (Johannes 20,19)
Das bleibt von Ostern, auch heute: Der Auferstandene lässt sich nicht abhalten von Kontaktsperre und geschlossenen Türen. Er sucht und er findet uns. Er zeigt uns seine durchbohrten Hände, die uns sagen: „Mir ist kein Leid dieser Welt fremd. Wenn Ihr in Angst seid, wenn Ihr vom Tod bedroht seid: Ich bin da, ich bin Euch ganz nah! Und selbst im Sterben bin ich an Eurer Seite. Vertraut mir: Ich lebe und Ihr sollt auch leben!“
Das bleibt! Und wir bleiben verbunden: Über unsere Gebete, über Andachten und Gottesdienste im Fernsehen, Radio oder Internet, über Anrufe und Briefe, über gegenseitige Hilfe. Deshalb: Gesegnete Ostern!

"Wo bist du, Gott?" - Wo ist Kirche?

Die Corona-Krise betrifft uns alle. In unserem ganzen Land, ja sogar weltweit. In bisher beispielloser Weise legt ein Virus nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens lahm. Mit gravierenden Folgen. Manche sind selbst oder in ihrer Familie direkt von der Krankheit betroffen, manche geraten in existentielle Nöte, weil sie über Nacht ihre Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten verloren haben. Menschen, die in medizinischen Berufen arbeiten oder zur Grundversorgung von uns allen beitragen, sind ganz besonders gefordert. Durch erhöhte Verantwortung, lange Arbeitszeiten, risikoreiche Verhältnisse und erschwerte Bedingungen bei der Begleitung ihrer eigenen Kinder oder alten Eltern. Insgesamt dürfen wir sehr dankbar sein für den Standard in unserem Land. Ungleich härter sind die Auswirkungen bisher in einigen anderen Ländern und ganz besonders dort, wo Armut, gesellschaftliche Spannungen oder sogar Krieg und Flucht die Menschen ohnehin schon in großes Leid und an den Rand ihrer Existenz gebracht haben.

Wir alle sind betroffen, im Einzelnen sehr unterschiedlich, aber doch bis in alle Bereiche unseres Lebens hinein. Selbst wenn wir körperlich gesund sind – dieser Zustand der kollektiven Zwangspause wirkt sich auch auf unser seelisches Gleichgewicht aus. Da ist das Gefühl einer ständigen, unsichtbaren Bedrohung. Körperliche und räumliche Nähe zu lieben Menschen fehlen genauso wie die zwanglose Begegnung und das kurze Gespräch auf den alltäglichen Wegen. Da ist die Ungewissheit, was noch alles kommen mag, wie lange das noch so weiter gehen wird. Die Sorge um das eigene wirtschaftliche Auskommen. Die Herausforderung, auf engem Raum 24 Stunden am Tag miteinander klar kommen zu müssen. Bei manchen sogar die Ausweglosigkeit, jetzt häuslicher Gewalt und Missbrauch nicht mehr entkommen zu können…

"Wo bist du, Gott?"

Und manche fragen: „Wo bist du eigentlich, Gott, in dieser Krise?“ Halten wir diese Frage aus, ohne vorschnelle Antworten parat zu haben? Teilen wir etwas von der Ohnmacht, die viele jetzt verspüren? Sie ist ein Teil der Kraft unseres Glaubens, sie verbindet uns mit Jesus, dem Gekreuzigten.

Wir befinden uns in der Passionszeit. Ungewissheit, Ohnmacht, Angst – sie sind uns vielleicht näher als je zuvor. Halten wir still? Hören wir, was Gott zu uns sagt?

Die kommende Karwoche ist eine besondere Gelegenheit dazu. Wir können keine Kirchen aufsuchen, aber Gott wohnt ja nicht in Häusern, er wohnt dort, wo wir ihn einlassen. Er wohnt in unseren Herzen. Dort können wir ihm die Türen öffnen, im Suchen, im Fragen, im Rufen. Allein oder in der Hausgemeinschaft, in der wir leben.

Foto: Landeskirche Hannovers

Wo ist Kirche?

Viele Kirchengemeinden geben im Internet oder in verteilten Briefen Anregungen zur Gestaltung von solchen Zeiten der Besinnung zu Hause. Im Kasten rechts möchte ich Sie zusätzlich auf einige Hilfen hinweisen, die in unterschiedlicher Form und Sprache Impulse geben sowie Texte und Bausteine anbieten zum Beten, Meditieren und Hören.

Vielen Christinnen und Christen wird besonders in dieser Karwoche und an Ostern die spürbare Nähe der Geschwister im Glauben fehlen. Besonderen Ausdruck findet sie in der Feier des Abendmahls. Die Hannoversche Landeskirche weist darauf hin, dass in dieser gegenwärtigen Notlage auch zu Hause das Abendmahl gefeiert werden kann. In der Kirchenverfassung heißt es dazu: „Im Notfall können alle Mitglieder der Kirche aufgrund ihrer Taufe Aufgaben des Amtes der öffentlichen Verkündigung wahrnehmen.“ (Artikel 12 Absatz 5). Damit kann in dieser geistlichen Notsituation jedes Mitglied unserer Kirche die Feier des Abendmahls leiten. Eine mögliche Form finden Sie ebenfalls rechts.

Foto: Jens Schulze / Landeskirche Hannovers

Kirche sind wir alle, die wir mit Christus verbunden sind. Er ist da, auch jetzt. Verborgen in der Ohnmacht des Kreuzes. Und gerade darin uns ganz nah.

Gehen wir unseren Weg in dieser schwierigen Zeit mit ihm: Kein noch so schwerer Stein vor seinem Grab, kein bewaffneter Soldat davor und jetzt auch keine Ausgangssperre hindert ihn daran, uns in seiner Auferstehungskraft zu begegnen. Er tut es auch, indem wir miteinander verbunden bleiben: Im Nachfragen, im Hören und Reden von Herz zu Herz, im füreinander Beten und Sorgen.

Die Pastorinnen und Pastoren, die Diakoninnen und Diakone Ihrer Kirchengemeinde und Region, die Beratungsdienste der Diakonie und auch ich (Kontaktdaten s. Kasten rechts unten oder unter Kontakt) – wir stehen Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Gott segne Sie!
Ihr Thomas Steinke

Schweigen, Beten, Hören:

Gemeinschaft spürbar:

  • Abendmahlsfeier in der Familie oder der Hausgemeinschaft: Eine kurze Liturgie zum Download.

Beratung und Unterstützung:

Wie die Corona-Pandemie die Welt und unsere Kirche verändert

Die Welt steht still und dreht sich doch immer schneller. Das Corona-Virus unterbricht unsere gewohnten Lebensabläufe radikal, zwingt uns eine Generalpause auf und hält uns gleichzeitig ständig in Atem. Jedenfalls erlebe ich momentan diesen Gegensatz sehr stark.

Einerseits kommt es durch diese Krise zu einem großflächigen Shut-Down, andererseits führt das nicht zwangsläufig zur Entschleunigung, sondern durch die hohe Dynamik der fast stündlich neuen Infos und angepassten Empfehlungen oder Anordnungen zu entsprechendem Verhalten zu einer noch verschärften Kurzatmigkeit. Es ist auch in unseren Kirchen und Gemeinden so Vieles, was jetzt zu bedenken und zu regeln ist…

Mich beschäftigt dabei diese Frage: Wie gelingt es uns, dass wir durch diese Krise zur Besinnung kommen, unseren Lebensstil und Lebenswandel eines letztlich „Immer mehr“ und „Immer schneller“ grundsätzlich überdenken und in die Stille gehen und den scheinbaren Stillstand auch mal aushalten? Gesamtgesellschaftlich übertönen wir vieles durch überhitzte Drähte, weil viele Menschen jetzt mehr Zeit haben und die Kommunikation auf allen Kanälen beschleunigen und die Mailboxen, Postfächer, Timelines… überfluten. Und innerkirchlich? Fast reflexartig reagieren wir mit Aktionismus und drehen weiter am Rad.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Es gibt Berufsgruppen, die jetzt ganz besonders gefordert sind und für die ein Aufruf zur Besinnung nur zynisch klingen muss. Und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation mildern die Folgen deutlich ab – wie würden wir eigentlich ohne Internet klarkommen? Und natürlich sehe ich, wie wir als Kirche herausgefordert sind, den Menschen trotz physischer Distanz nahe zu sein, ihnen gerade jetzt beizustehen und mit dem Evangelium in Wort und Tat zu dienen. – Es ist durchaus beeindruckend, wie viele kreative Ideen in kurzer Zeit entstanden sind und umgesetzt werden. Ich glaube sogar, dass es durch diese Erfahrungen einen nachhaltigen und wünschenswerten Schub in Richtung Digitalität in den Kirchen geben wird. Und mir ist klar, dass der Krisenmodus eine erhöhte Anspannung bedeutet, weil wir nicht auf gewohnte Routinen zurückgreifen können und viele kurzfristige Entscheidungen nötig sind.

Foto: Wiebke Ostermeier / Landeskirche Hannovers

Trotzdem höre ich in dieser Situation auch einen Ruf zur Umkehr – und zwar in erster Linie persönlich und innerkirchlich: „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“ (Jesaja 30,15)
Wenn wir jetzt mehr Zeit haben sollten – wie gesagt, es gibt auch andere, die bis an die Grenze beansprucht werden: Hören wir wenigstens jetzt mal intensiver hin, was Gott uns zu sagen hat – durch sein Wort oder im Gebet? Macht es uns demütig, dass wir gerade auf so erschreckende Weise erkennen müssen, wie wenig wir doch unser Leben grundsätzlich selbst in der Hand haben? Führt uns diese Krise zur selbstkritischen Frage, worauf wir uns in unseren Kirchen und Gemeinden wirklich verlassen in unserem Tun und Lassen? Lassen wir uns durch sie auch in unserem eigenen, oft verdeckten, aber praktisch gelebten Machbarkeitswahn erschüttern?
Ich möchte es weiter üben, mein Leben immer mehr von der Verbindung mit Christus bestimmen und prägen zu lassen. Und ihm ähnlicher zu werden: In seinem Ziel, in allem Gott die Ehre zu geben, und in seiner Liebe und Hingabe für die Menschen.

Ein wichtiger Dienst, den wir zu allen Zeiten und an allen Orten tun können, ist die Fürbitte füreinander und für alle Menschen.
Darum lassen Sie uns in dieser Notlage, die die ganze Welt betrifft, beten.
Z.B. für Anliegen, die rechts im Kasten zu lesen sind.

Und lassen Sie uns einander beistehen - in unseren Gemeinden, in unseren Nachbarschaften, in unseren Freundes- und Kollegenkreisen, in unseren Vereinen, in unseren Verwandtschaften und Familien. Nutzen wir die Kontaktmöglichkeiten, die uns bleiben: Per Telefon, Mail oder soziale Medien.
Wenn Sie einen Gesprächspartner suchen, melden Sie sich gerne bei mir (Kontaktdaten siehe ebenfalls rechts).

Es war mir ein großer Trost, als ich vor einiger Zeit die Tageslosung aus Psalm 27,5 las:
„Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“

Dass Sie sich bei allem, was Sie momentan erleben und was noch auf uns zukommen mag, in Gottes guten Händen geborgen wissen, das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Er segne und behüte Sie!

Seien Sie herzlich gegrüßt,
Ihr Thomas Steinke

Wir beten...

  • Dafür, dass die Ausbreitung des Corona-Virus‘ wirksam eingedämmt werden kann.
  • Für die Genesung von Infizierten.
  • Um Bewahrung und Kraft für die Menschen, die in den medizinischen Berufen oder für die Grundversorgung der Bevölkerung tätig sind.
  • Um Halt für die Sterbenden und Trost für die Familien, die Angehörige verloren haben.
  • Um Frieden in den Häusern und Wohnungen,
    um Schutz für diejenigen, die von häuslicher Gewalt jetzt noch mehr bedroht sind.
  • Um Weisheit für die Regierenden.
  • Für Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, ihren Arbeitsplatz verlieren oder sich in ihrer Existenz bedroht sehen.
  • Für das Aufrichten von Volkswirtschaften, die statt Gewinnmaximierung das Gemeinwohl und eine gerechte und nachhaltige Entwicklung zum Ziel haben.
  • Dafür, dass wir über die Corona-Pandemie die Notleidenden anderer Krisen nicht vergessen und uns dafür einsetzen, dass ihnen geholfen wird.
  • Für unsere Kirchen und Gemeinden, dass wir den Menschen jetzt dienen mit dem, was sie brauchen – dass wir durch passende Worte und helfende Taten glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen von Gottes Liebe sein können.

Maria Herrmann

Pastor für Gemeindeinnovation Thomas Steinke
Tel.: 05193 966 258 6

Kirche trotz(t) Corona

Wir sind für Sie da!

Unter dieser Überschrift finden Sie auf der Webseite des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven eine Zusammenstellung von besonderen Angeboten in dieser Ausnahmesituation. Es geht dabei um ganz praktische Hilfe im täglichen Leben, um Gesprächs- und Seelsorgemöglichkeiten, geistliche Kraftquellen und weitere Inspirationen.

Auch auf der Seite des Kirchenkreises Rotenburg wird darauf hingewiesen, auf welche Weise Kirche und Diakonie jetzt an Ihrer Seite ist.

Bei beiden Kirchenkreisen lohnt sich auch ein Blick auf die einzelnen Gemeindeseiten. So können Sie sich z.B. an eine WhatsApp-Gebetsgruppe der Peter und Paul-Gemeinde Schneverdingen anschließen, die täglich um 18 Uhr eine Liturgie zum gemeinsamen Beten erhält. Oder Sie können ebenfalls täglich eine kurze Telefonandacht zur Tageslosung bei der Kirchengemeinde Sittensen hören...

Aktuelle Informationen erhalten Sie ebenfalls auf der Webseite unserer Landeskirche.