Corona-Pandemie

"Wo bist du, Gott?" - Wo ist Kirche?

Die Corona-Krise betrifft uns alle. In unserem ganzen Land, ja sogar weltweit. In bisher beispielloser Weise legt ein Virus nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens lahm. Mit gravierenden Folgen. Manche sind selbst oder in ihrer Familie direkt von der Krankheit betroffen, manche geraten in existentielle Nöte, weil sie über Nacht ihre Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten verloren haben. Menschen, die in medizinischen Berufen arbeiten oder zur Grundversorgung von uns allen beitragen, sind ganz besonders gefordert. Durch erhöhte Verantwortung, lange Arbeitszeiten, risikoreiche Verhältnisse und erschwerte Bedingungen bei der Begleitung ihrer eigenen Kinder oder alten Eltern. Insgesamt dürfen wir sehr dankbar sein für den Standard in unserem Land. Ungleich härter sind die Auswirkungen bisher in einigen anderen Ländern und ganz besonders dort, wo Armut, gesellschaftliche Spannungen oder sogar Krieg und Flucht die Menschen ohnehin schon in großes Leid und an den Rand ihrer Existenz gebracht haben.

Wir alle sind betroffen, im Einzelnen sehr unterschiedlich, aber doch bis in alle Bereiche unseres Lebens hinein. Selbst wenn wir körperlich gesund sind – dieser Zustand der kollektiven Zwangspause wirkt sich auch auf unser seelisches Gleichgewicht aus. Da ist das Gefühl einer ständigen, unsichtbaren Bedrohung. Körperliche und räumliche Nähe zu lieben Menschen fehlen genauso wie die zwanglose Begegnung und das kurze Gespräch auf den alltäglichen Wegen. Da ist die Ungewissheit, was noch alles kommen mag, wie lange das noch so weiter gehen wird. Die Sorge um das eigene wirtschaftliche Auskommen. Die Herausforderung, auf engem Raum 24 Stunden am Tag miteinander klar kommen zu müssen. Bei manchen sogar die Ausweglosigkeit, jetzt häuslicher Gewalt und Missbrauch nicht mehr entkommen zu können…

"Wo bist du, Gott?"

Und manche fragen: „Wo bist du eigentlich, Gott, in dieser Krise?“ Halten wir diese Frage aus, ohne vorschnelle Antworten parat zu haben? Teilen wir etwas von der Ohnmacht, die viele jetzt verspüren? Sie ist ein Teil der Kraft unseres Glaubens, sie verbindet uns mit Jesus, dem Gekreuzigten.

Wir befinden uns in der Passionszeit. Ungewissheit, Ohnmacht, Angst – sie sind uns vielleicht näher als je zuvor. Halten wir still? Hören wir, was Gott zu uns sagt?

Die kommende Karwoche ist eine besondere Gelegenheit dazu. Wir können keine Kirchen aufsuchen, aber Gott wohnt ja nicht in Häusern, er wohnt dort, wo wir ihn einlassen. Er wohnt in unseren Herzen. Dort können wir ihm die Türen öffnen, im Suchen, im Fragen, im Rufen. Allein oder in der Hausgemeinschaft, in der wir leben.

Foto: Landeskirche Hannovers

Wo ist Kirche?

Viele Kirchengemeinden geben im Internet oder in verteilten Briefen Anregungen zur Gestaltung von solchen Zeiten der Besinnung zu Hause. Im Kasten rechts möchte ich Sie zusätzlich auf einige Hilfen hinweisen, die in unterschiedlicher Form und Sprache Impulse geben sowie Texte und Bausteine anbieten zum Beten, Meditieren und Hören.

Vielen Christinnen und Christen wird besonders in dieser Karwoche und an Ostern die spürbare Nähe der Geschwister im Glauben fehlen. Besonderen Ausdruck findet sie in der Feier des Abendmahls. Die Hannoversche Landeskirche weist darauf hin, dass in dieser gegenwärtigen Notlage auch zu Hause das Abendmahl gefeiert werden kann. In der Kirchenverfassung heißt es dazu: „Im Notfall können alle Mitglieder der Kirche aufgrund ihrer Taufe Aufgaben des Amtes der öffentlichen Verkündigung wahrnehmen.“ (Artikel 12 Absatz 5). Damit kann in dieser geistlichen Notsituation jedes Mitglied unserer Kirche die Feier des Abendmahls leiten. Eine mögliche Form finden Sie ebenfalls rechts.

Foto: Jens Schulze / Landeskirche Hannovers

Kirche sind wir alle, die wir mit Christus verbunden sind. Er ist da, auch jetzt. Verborgen in der Ohnmacht des Kreuzes. Und gerade darin uns ganz nah.

Gehen wir unseren Weg in dieser schwierigen Zeit mit ihm: Kein noch so schwerer Stein vor seinem Grab, kein bewaffneter Soldat davor und jetzt auch keine Ausgangssperre hindert ihn daran, uns in seiner Auferstehungskraft zu begegnen. Er tut es auch, indem wir miteinander verbunden bleiben: Im Nachfragen, im Hören und Reden von Herz zu Herz, im füreinander Beten und Sorgen.

Die Pastorinnen und Pastoren, die Diakoninnen und Diakone Ihrer Kirchengemeinde und Region, die Beratungsdienste der Diakonie und auch ich (Kontaktdaten s. Kasten rechts unten oder unter Kontakt) – wir stehen Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung.

Gott segne Sie!
Ihr Thomas Steinke

Schweigen, Beten, Hören:

Gemeinschaft spürbar:

  • Abendmahlsfeier in der Familie oder der Hausgemeinschaft: Eine kurze Liturgie zum Download.

Beratung und Unterstützung:

Wie die Corona-Pandemie die Welt und unsere Kirche verändert

Die Welt steht still und dreht sich doch immer schneller. Das Corona-Virus unterbricht unsere gewohnten Lebensabläufe radikal, zwingt uns eine Generalpause auf und hält uns gleichzeitig ständig in Atem. Jedenfalls erlebe ich momentan diesen Gegensatz sehr stark.

Einerseits kommt es durch diese Krise zu einem großflächigen Shut-Down, andererseits führt das nicht zwangsläufig zur Entschleunigung, sondern durch die hohe Dynamik der fast stündlich neuen Infos und angepassten Empfehlungen oder Anordnungen zu entsprechendem Verhalten zu einer noch verschärften Kurzatmigkeit. Es ist auch in unseren Kirchen und Gemeinden so Vieles, was jetzt zu bedenken und zu regeln ist…

Mich beschäftigt dabei diese Frage: Wie gelingt es uns, dass wir durch diese Krise zur Besinnung kommen, unseren Lebensstil und Lebenswandel eines letztlich „Immer mehr“ und „Immer schneller“ grundsätzlich überdenken und in die Stille gehen und den scheinbaren Stillstand auch mal aushalten? Gesamtgesellschaftlich übertönen wir vieles durch überhitzte Drähte, weil viele Menschen jetzt mehr Zeit haben und die Kommunikation auf allen Kanälen beschleunigen und die Mailboxen, Postfächer, Timelines… überfluten. Und innerkirchlich? Fast reflexartig reagieren wir mit Aktionismus und drehen weiter am Rad.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Es gibt Berufsgruppen, die jetzt ganz besonders gefordert sind und für die ein Aufruf zur Besinnung nur zynisch klingen muss. Und die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation mildern die Folgen deutlich ab – wie würden wir eigentlich ohne Internet klarkommen? Und natürlich sehe ich, wie wir als Kirche herausgefordert sind, den Menschen trotz physischer Distanz nahe zu sein, ihnen gerade jetzt beizustehen und mit dem Evangelium in Wort und Tat zu dienen. – Es ist durchaus beeindruckend, wie viele kreative Ideen in kurzer Zeit entstanden sind und umgesetzt werden. Ich glaube sogar, dass es durch diese Erfahrungen einen nachhaltigen und wünschenswerten Schub in Richtung Digitalität in den Kirchen geben wird. Und mir ist klar, dass der Krisenmodus eine erhöhte Anspannung bedeutet, weil wir nicht auf gewohnte Routinen zurückgreifen können und viele kurzfristige Entscheidungen nötig sind.

Foto: Wiebke Ostermeier / Landeskirche Hannovers

Trotzdem höre ich in dieser Situation auch einen Ruf zur Umkehr – und zwar in erster Linie persönlich und innerkirchlich: „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“ (Jesaja 30,15)
Wenn wir jetzt mehr Zeit haben sollten – wie gesagt, es gibt auch andere, die bis an die Grenze beansprucht werden: Hören wir wenigstens jetzt mal intensiver hin, was Gott uns zu sagen hat – durch sein Wort oder im Gebet? Macht es uns demütig, dass wir gerade auf so erschreckende Weise erkennen müssen, wie wenig wir doch unser Leben grundsätzlich selbst in der Hand haben? Führt uns diese Krise zur selbstkritischen Frage, worauf wir uns in unseren Kirchen und Gemeinden wirklich verlassen in unserem Tun und Lassen? Lassen wir uns durch sie auch in unserem eigenen, oft verdeckten, aber praktisch gelebten Machbarkeitswahn erschüttern?
Ich möchte es weiter üben, mein Leben immer mehr von der Verbindung mit Christus bestimmen und prägen zu lassen. Und ihm ähnlicher zu werden: In seinem Ziel, in allem Gott die Ehre zu geben, und in seiner Liebe und Hingabe für die Menschen.

Ein wichtiger Dienst, den wir zu allen Zeiten und an allen Orten tun können, ist die Fürbitte füreinander und für alle Menschen.
Darum lassen Sie uns in dieser Notlage, die die ganze Welt betrifft, beten.
Z.B. für Anliegen, die rechts im Kasten zu lesen sind.

Und lassen Sie uns einander beistehen - in unseren Gemeinden, in unseren Nachbarschaften, in unseren Freundes- und Kollegenkreisen, in unseren Vereinen, in unseren Verwandtschaften und Familien. Nutzen wir die Kontaktmöglichkeiten, die uns bleiben: Per Telefon, Mail oder soziale Medien.
Wenn Sie einen Gesprächspartner suchen, melden Sie sich gerne bei mir (Kontaktdaten siehe ebenfalls rechts).

Es war mir ein großer Trost, als ich vor einiger Zeit die Tageslosung aus Psalm 27,5 las:
„Der HERR deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes.“

Dass Sie sich bei allem, was Sie momentan erleben und was noch auf uns zukommen mag, in Gottes guten Händen geborgen wissen, das wünsche ich Ihnen von Herzen.
Er segne und behüte Sie!

Seien Sie herzlich gegrüßt,
Ihr Thomas Steinke

Wir beten...

  • Dafür, dass die Ausbreitung des Corona-Virus‘ wirksam eingedämmt werden kann.
  • Für die Genesung von Infizierten.
  • Um Bewahrung und Kraft für die Menschen, die in den medizinischen Berufen oder für die Grundversorgung der Bevölkerung tätig sind.
  • Um Halt für die Sterbenden und Trost für die Familien, die Angehörige verloren haben.
  • Um Frieden in den Häusern und Wohnungen,
    um Schutz für diejenigen, die von häuslicher Gewalt jetzt noch mehr bedroht sind.
  • Um Weisheit für die Regierenden.
  • Für Menschen, die in finanzielle Not geraten sind, ihren Arbeitsplatz verlieren oder sich in ihrer Existenz bedroht sehen.
  • Für das Aufrichten von Volkswirtschaften, die statt Gewinnmaximierung das Gemeinwohl und eine gerechte und nachhaltige Entwicklung zum Ziel haben.
  • Dafür, dass wir über die Corona-Pandemie die Notleidenden anderer Krisen nicht vergessen und uns dafür einsetzen, dass ihnen geholfen wird.
  • Für unsere Kirchen und Gemeinden, dass wir den Menschen jetzt dienen mit dem, was sie brauchen – dass wir durch passende Worte und helfende Taten glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen von Gottes Liebe sein können.

Maria Herrmann

Pastor für Gemeindeinnovation Thomas Steinke
Tel.: 05193 966 258 6

Kirche trotz(t) Corona

Wir sind für Sie da!

Unter dieser Überschrift finden Sie auf der Webseite des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven eine Zusammenstellung von besonderen Angeboten in dieser Ausnahmesituation. Es geht dabei um ganz praktische Hilfe im täglichen Leben, um Gesprächs- und Seelsorgemöglichkeiten, geistliche Kraftquellen und weitere Inspirationen.

Auch auf der Seite des Kirchenkreises Rotenburg wird darauf hingewiesen, auf welche Weise Kirche und Diakonie jetzt an Ihrer Seite ist.

Bei beiden Kirchenkreisen lohnt sich auch ein Blick auf die einzelnen Gemeindeseiten. So können Sie sich z.B. an eine WhatsApp-Gebetsgruppe der Peter und Paul-Gemeinde Schneverdingen anschließen, die täglich um 18 Uhr eine Liturgie zum gemeinsamen Beten erhält. Oder Sie können ebenfalls täglich eine kurze Telefonandacht zur Tageslosung bei der Kirchengemeinde Sittensen hören...

Aktuelle Informationen erhalten Sie ebenfalls auf der Webseite unserer Landeskirche.