Kinder und Familien

"Da staunst du aber"-Kindergottesdienste

Eine Entdeckungsreise

Staunen – das können wir durch Kinder, Kleinkinder und sogar Babys, neu lernen.

Erstaunlich, wie schon Kleinkinder einen Käfer, eine Blume, einen Treckerreifen, eine Gardine im Wind... bestaunen, wie ältere Kinder technische Geräte bewundern! Zwangsläufig reduziere ich als Mutter mein Tempo, wenn ich mit meinem Kind unterwegs bin und entdecke dabei selbst Neues. Viele Dinge des Alltags, die einem als Erwachsenem unspektakulär scheinen, bekommen so eine neue Dimension: etwas Nachdenkliches, Wunderliches, außergewöhnlich Schönes.

In unserer unmittelbaren Umgebung gibt es so viel zu staunen. Scheinbar alltägliche Dinge und Orte bieten viel zu entdecken. Dazu haben wir vom Neuenkirchener Kindergottesdienst-Team uns mit Kindern auf den Weg gemacht.

Unseren ersten KiGo dieser Art haben wir im Frühjahr 2010 im Gewächshaus einer Gärtnerei gefeiert. Es folgten zweistündige Kindergottesdienste auf dem Bauernhof zum Thema „Säen/Getreideernte“ und mit dem Schwerpunkt „Kartoffel und Kartoffelernte“, ein Kindergottesdienst bei und mit der Feuerwehr sowie in einer Tischlerei, die auf den Bau von Holz-Küchen spezialisiert ist. In der Adventszeit durften wir auf dem Schäferhof im Schnuckenstall KiGo feiern, mit Schnucken und Eseln zusammen. Jeweils ein gesamter Kinderkirchentag wurde mit verschiedenen örtlichen Betrieben zusammen gestaltet: einer Bäckerei, einem Bauunternehmen, einem Landtechnikbetrieb/Schmiede und einer Heizungsinstallations- und Sanitärfirma.

Die „Da staunst du aber“-KiGos haben einen liturgischen Beginn und Abschluss mit den gottesdienstlichen Elementen Singen und Beten – in Anlehnung an die sonstige Gestaltung unseres monatlichen Kindergottesdienstes. Der Altar mit Kerzen, Kreuz und Blumen steht dann auf einer Wiese, im Stroh, neben Maschinen, Fahrzeugen oder Backöfen – wo eben ein geeigneter Platz ist, um mit einer größeren Gruppe zusammen zu sitzen.

Der Hauptteil besteht aus „Staun-Stationen“, bei denen die Kinder in Gruppen den Betrieb oder Abläufe hautnah kennenlernen. Diese Kindergottesdienste sind eine Art „Sendung mit der Maus“ zum Selbsterleben und Selbstgestalten. Da dürfen die Kinder Blumentöpfe selbst bepflanzen, auf den Mähdrescher oder Kartoffelroder klettern, Butter selbst herstellen, Schnucken oder Esel streicheln, aus Laugenteig Kreuze formen, eigene Frühstücksbretter fertigen, selbst einen Bagger bedienen oder lernen, wie man mauert – und vieles mehr.

Aber warum ausgerechnet Gottesdienst an einem anderen Ort? Gottesdienst an einem anderen Ort zu feiern führt zu der Erkenntnis: Gott „wohnt“ in der Kirche, aber auch an anderen Orten. Die Kombination von einem besonderen Ort und dem Feiern eines Gottesdienstes dort löst im Kopf ein „Aha-Erlebnis“ aus und ermöglicht, Gott auf neue Weise zu entdecken. Wer singt und betet mit Blick auf ein Blütenmeer aus 30.000 Frühlingsblumen, wird fast automatisch Gottes Schöpfung dankbar bestaunen.

Durch „Da staunst du aber“-Kindergottesdienste können die Kinder

  • über das Staunen einen persönlichen, direkten, unmittelbaren Zugang zu den Dingen des Alltags und ihres Umfeldes bekommen,
  • die Welt erkunden und verstehen lernen, in besonderer Weise die Lebens- und Arbeitswelt von Erwachsenen kennenlernen,
  • und schließlich über das Staunen ihr Erleben mit Gott in Verbindung bringen.

Durch die besondere Kindergottesdienst-Form wird Neugierde geweckt: Neue Kinder, die sich sonst nicht in Kirche oder Gemeindehaus „trauen“, werden angesprochen. Interessierte Eltern nehmen meistens ebenfalls teil. Der Anteil der Jungen ist hier höher als beim „normalen“ KiGo. Eine einmalige Teilnahme an diesem niedrigschwelligen Angebot ist möglich. Dadurch gelingt es, auch Kirchenferne anzusprechen und einen projektbezogenen Kontakt mit Kirche anzubieten.

Zudem entsteht eine stärkere Vernetzung der Kirchengemeinde mit den Betrieben des Ortes und ihren Mitarbeitern. Sie erfahren: Kirche nimmt uns wahr, Kirche kommt zu uns. Diese Kindergottesdienste bauen auf Partizipation und bringen sowohl Mitwirkende als auch Teilnehmer in Kontakt mit Kirche.

Der Vorbereitungsaufwand ist höher als bei herkömmlichen KiGos in den eigenen Räumlichkeiten, aber es lohnt sich, wenn man die Begeisterung der Familien erlebt. Unser KiGo-Team war erstaunt, wie viele Möglichkeiten selbst unser Dorf bietet und was es da alles zu entdecken gibt. Und die Ideen für weitere KiGos dieser Art sind uns noch lange nicht ausgegangen.

Ursprünglich entstanden die „Da staunst du aber“-Kindergottesdienste in Wiesloch (Baden-Württemberg). Wer mehr darüber erfahren möchte: Gerhard Engelsberger; Da staunst du aber. Kindergottesdienste, Stuttgart 2000.

Die Planung für 2020:

  • „Da staunst du aber“-Kindergottesdienst mit einem Korb-Imker (21.06.2020)
  • „Da staunst du aber“-Kinderkirchentag auf einem Bauernhof (06.09.2020).

Maren Zerbe, Pastorin in Neuenkirchen (Kirchenkreis Rotenburg), Tel.: 05195-1676

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Stullen und Segen

Einmal im Monat treffen sich donnerstags um 17:30 Uhr Kinder und Erwachsene zum gemeinsamen Abendbrot im Haus der Begegnung in Fintel. Sie setzen sich an einen gedeckten Tisch im Foyer. Es handelt sich um eine klassische Brotzeit - mit Käse- und Wurstplatten sowie Teller mit Gemüsesticks. "Vor dem Essen singen wir ein passendes Lied oder sprechen wir ein Tischgebet, z.B. mit einem Gebetswürfel, den ein Kind würfelt. Kinder, die schon lesen können, sprechen dann das Gebet", berichtet Silvia Poort. Gegen 18:30 Uhr endet der Abend mit einem Abendlied und einem Gute-Nacht-Segen in der Kirche.
Pastorin Lotte Blattmann erzählt: "Toll an der Veranstaltung finde ich, dass das Essen komplett durch ein Vorbereitungsteam vorbereitet wird – alle Familien sind willkommen, ohne Anmeldung! Beim ersten Treffen kamen bereits 25 Gäste."
Inzwischen hat sich die Zahl der Teilnehmenden auf 15-20 Personen eingependelt: "Einige kommen immer, es sind aber auch immer mal wieder Neue dabei. Einige sind Kirchenverbundene, die aber nicht den Gottesdienst oder andere Veranstaltungen besuchen,
Einige sind eher Kirchenferne. Die meisten Kinder sind im Kita- oder frühen Grundschulalter."
Mittlerweile haben sich einige weitere kleine Anpassungen ergeben, z.B. diese:
Im Saal, der durch eine Glaswand vom Foyer getrennt ist, werden Spielsachen bereit gestellt. Wenn die Kinder mit dem Essen fertig sind, können sie dort noch eine Weile miteinander spielen. Und die Erwachsenen können sich bei einer Tasse Tee in Ruhe unterhalten.
Noch ein paar Grundgedanken zum Konzept:
Als Zeit wurde bewusst ein Tag in der Woche gewählt, weil die Wochenenden zu voll sind. Bei der gewählten Uhrzeit gibt es keine Kollision mit der Einschlafzeit.
Und beim Essen geht es um Gemeinschaft, aber auch um Entlastung: Es ist keine Mitbring-Aktion, alles wird von der Kirchengemeinde gestellt und auf Platten angerichtet...
Beim Abschluss in der Kirche bekommen alle Kinder eine Kerze.
Die Kinder sitzen auf Kissen auf den Stufen vor dem Altar.
Es wird ein Lied gesungen ("Weißt du wie viel Sternlein stehen" oder "Der Mond ist aufgegangen") und ein Segen gesprochen.
Das Konzept hat Pastorin Lotte Blattmann gemeinsam mit der Kirchenvorsteherin Silvia Poort, beide selbst junge Mütter, entwickelt.

Weitere Informationen bei: Silvia Poort, Tel.: 04265-2413036, E-Mail: silviapoort@gmail.com

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"Hallo Luther!" - Kinder-Reformationstag in der Region

Rund 100 Kinder aus der Kirchenregion Fintel-Lauenbrück-Scheeßel haben am 31. Oktober 2019  beim Kinder-Reformationstag mitgemacht, gespielt, gesungen und gebastelt.

Los ging es um 11 Uhr in der Finteler Kirche. Durch eine Theaterszene waren die Kinder sofort mitten im Geschehen: Martin Luther erzählte von dem Gewitter vor Stotternheim und seinem Entschluss, ins Kloster zu gehen. Besonders durch einen Rundgang in Kleingruppen zu verschiedenen Stationen machten sich die Kinder auf eine Zeitreise. Da ging es z.B. um Gregorianischen Gesang oder Beten und Schweigen, sie trafen auf einen Bußprediger oder konnten auf Knien die Treppe hinaufsteigen. So lernten die Kinder Martin Luthers Leben und Denken vor seinem reformatorischen Durchbruch kennen und machten langsam Martins Entdeckung: „Gott liebt mich“.
Nach einer stärkenden Pause mit einem leckeren Mittagessen und einem Bewegungsspiel auf dem Kirchplatz trafen sich wieder alle in der Kirche. In einer zweiten Theaterszene begegneten die Kinder dem Ablassprediger Johann Tetzel und erneut Martin Luther, der jetzt allerdings voller Überzeugung seine große Entdeckung weitergab: Gott liebt uns - bedingungslos!
Altersspezifische Kleingruppen mit unterschiedlichen kreativen Angeboten schlossen sich an: Die Jüngeren bauten z.B. mit Legosteinen die Wartburg oder malten Bibelsprüche aus, die Älteren schrieben Bibelverse in Schönschrift oder gestalteten aus Transparentpapier die Lutherrose. Alle Kleingruppen schlossen damit, dass ein Liebesbrief von Gott an die Kinder vorgelesen und ihnen mit Öl ein Kreuz auf die Hand gemalt wurde, mit den Worten: „Gott hat dich lieb. Amen.“

Gemeinsam mit den Familien wurde um 15.17 Uhr ein fröhlicher Reformationsgottesdienst gefeiert. Bei Kaffee und Kuchen ging dieser gemeinsame Tag zu Ende.

Weitere Informationen bei: Lotte Blattmann, Pastorin in Fintel, Tel.: 04265-9540641, E-Mail: lotte.blattmann@gmx.de

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