Pilgern in Corona-Zeiten

Pilgern. Allein. Bei uns um die Ecke.

Sie liegen bei mir zu Hause im Karton: 1.000 Flyer im Postkartenformat. „Kirche geht weiter – Pilgern auf den Nordpfaden 2.0 – 26.4. + 6.6. + 10.10.2020“. Gemeinsame Pilgertouren auf den wunderbaren Wanderwegen der Nordpfade: Auf vielfachen Wunsch sollte die Möglichkeit dieser heilsamen Unterbrechung als Fortsetzung der Reihe vom letzten Jahr nun auch in 2020 angeboten werden. Gerade als ich die Flyer über die Kirchengemeinden und öffentlichen Einrichtungen breit streuen wollte, kam die allgemeine Kontaktsperre aufgrund der Corona-Pandemie. Mindestens der erste Termin, vermutlich auch der zweite müssen deshalb ausfallen.

Dennoch heißt Pilgern nicht zwangsläufig, als Gruppe unterwegs zu sein. Pilgern kann ich auch allein. Und nicht nur auf den Nordpfaden, sondern ebenso in meinem eigenen Umfeld. In der Natur nebenan, wo ich vielleicht auch sonst spazieren gehe. Oder sogar direkt in meinem Wohnort, in den Nachbarstraßen oder bewusst mal in einer anderen Gegend unseres Dorfes oder unserer Stadt; da wo ich mich selten oder nie aufhalte.

Es kommt auf die Haltung an! Ob ich mich darauf einlasse, die Dinge, die mich permanent beschäftigen, zu Hause zu lassen und Kopf und Herz frei zu bekommen für das, was mir auf dem Weg begegnet. In mir selbst oder von außen.

Hilfreich kann dabei sein, ein Ritual als Anfang und Ende dieses Pilgerweges zu gestalten, indem ich z.B. an der Schwelle nach draußen oder wieder zurück ins Haus im Schweigen kurz innehalte oder ein Gebet oder einen Pilgersegen spreche.
Es wird vermutlich eine gewisse Zeit dauern, bis ich im „Pilgermodus“ angekommen bin. Aber dann kann ich spannende Erfahrungen machen, ganz ähnlich wie bei einer Gruppentour. Ich kann genauso aufmerksam werden und die Sinneseindrücke intensiv wahrnehmen:
- Was kann ich da alles neu entdecken oder einfach genießen?
- Was empfinde ich jeweils dabei? Was wird in mir angeregt: Freude oder Sorge, überraschende Fragen oder Staunen, Bedrückung oder Mitgefühl?
- Und wie wäre es, wenn ich all meine Empfindungen bewusst vor Gott ausbreite, wenn ich sie ausgesprochen oder unausgesprochen zum Gebet mache? Wenn sie so zum Dank, zur Bitte, zur Klage, zum Segen werden, für mich und andere, die ich darin einbeziehe? Es wird meine Sicht auf den eigenen Ort, in dem ich lebe, oder auf unsere Umgebung verändern!

Und auch wenn anschließend nicht wie bei einer gemeinsamen Pilgertour die Erfahrungen direkt mit anderen geteilt werden können: Vielleicht können Sie ja zu Hause jemandem davon erzählen, was Sie erlebt haben. Oder Sie rufen mich an oder schreiben mir eine E-Mail. Oder Sie beteiligen sich am Austausch im geschützten Chat: Melden Sie sich gerne bei mir, ich schicke Ihnen dann einen Zugang.

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen und freue mich, wenn ich etwas davon hören darf.
Gott segne und behüte Sie in dieser schwierigen Zeit,

Ihr Thomas Steinke,
Pastor für Gemeindeinnovation
Tel. 05193-9662586, Mail:
Thomas.Steinke@kkbz.de

Praktische Anleitungen

Dass Menschen sich in die Stille zurückziehen, um Gott zu begegnen, um Orientierung und neue Kraft zu erhalten, hat eine lange Tradition. In der Bibel wird vielfach dazu aufgefordert oder von positiven Erfahrungen damit berichtet: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft“ (Psalm 62, 2). Auch von Jesus lesen wir, dass er zwischendurch allein auf einen Berg ging und dort betete (Markus 6, 46; Matthäus 14, 23).

Hier können Sie sich eine Anleitung zum Pilgern im Ort / in der Stadt und zum Pilgern in der Natur herunterladen.

Zur Vertiefung

Wechselnde Pfade – Pilgern auf dem NORDPFAD "Eichholz und Franzhorn"

Am letzten Wochenende fand die letzte von insgesamt vier NORDPFADE-Pilgertouren von Thomas Steinke, Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven, statt.

„Wechselnde Pfade”, so lautete das Oberthema der Pilgertour auf dem NORDPFAD Eichholz und Franzhorn. Bei schönstem Spätsommerwetter haben sich 34 Personen und ein Hund auf den Weg gemacht. „Wechselnde Pfade beschritten wir im wörtlichen Sinn, als wir durch eine ganz unterschiedlich geprägte Landschaft liefen: Im Wald, auf dem Geestrücken, entlang am Ziegeleikanal, an Wiesen und am Moor“, so Steinke.

Dabei wurden auch wechselnde Abschnitte der eigenen Lebenswege sowie der Weg des Apostels Paulus bedacht, da man auf diesem NORDPFAD mehrfach Stationsschilder des Paulus-Weges vom Pilgerweg “Von Kark to Kark” kreuzte. Zwei Initiatorinnen dieses Pilgerweges in der Region Gnarrenburg-Kuhstedt-Kirchwistedt erzählten an der Brilliter Kirche die Entstehungsgeschichte dieses Weges. Nach der ausgiebigen Mittagsrast erfuhr man am Bahnhof Brillit zudem Bemerkenswertes aus der Region, z.B. von der Urbarmachung des Moores im 18. Jahrhundert unter dem Moorkommissar Jürgen-Christian Findorff oder von der Geschichte des Moorexpresses zwischen Osterholz-Scharmbeck und Stade im 20. Jahrhundert. Ein Pilgersegen im großen Schlusskreis beendete die Reihe “Pilgern auf den Nordpfaden” in diesem Jahr.

Pastor Steinke ist in diesem Sommer mit vielen Wegbegleitern auch die NORDPFADE Zwei Mühlen, Rotenburger Wasserreich sowie Wümme und Vareler Heide gewandert. Unter dem Motto „Kirche auf dem Weg – Pilgern auf den Nordpfaden“ hat Pastor Steinke bereits Tagestouren angeboten, die sehr gut ankamen, „denn schweigende Wegstrecken und spirituelle Impulse bereichern unser Unterwegssein in der Natur“, so Steinke. „Die Idee zu Pilgern hatte ich schon länger, denn sie passt zu meinem Auftrag“, sagt Pastor Steinke. „Schon in vielen biblischen Geschichten sind Menschen auf dem Weg. Und sie machen dort besondere Erfahrungen mit Gott. Denn er ist nicht nur an einem festen Ort zu finden, sondern er geht mit“, ist Steinke überzeugt.

(Medieninformation des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg (Wümme) vom 16.09.2019)

Termine für weitere Pilgertouren auf den NORDPFADEN im Jahr 2020 finden Sie auf dieser Webseite unter Termine.

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Persönliche Eindrücke vom Pilgern auf dem Nordpfad "Zwei Mühlen"

„Da klären sich Fragen“! So las ich den Bericht in der Bremervörder Rundschau als Ankündigung einer Pilgertour auf dem Nordpfad „Zwei Mühlen“. Ich wollte schon länger mal eine „christliche Wanderung“ selbst organisieren, aber mir fehlten dazu Impulse für die Inhalte. Also kam dieses Angebot am 30.6. gerade recht. Auf Grund der hohen Temperaturen kam nur ein kleines Grüppchen von 8 Personen zusammen. Interessant war die Herkunft der Teilnehmenden, die verstreut aus dem ganzen Kreis Rotenburg und darüber hinaus stammten. Los ging’s am Parkplatz der Wassermühle in Eitzmühlen bei 33 Grad im Schatten. Wir suchten zunächst ein ruhiges Plätzchen im Wald auf, abseits vom Trubel beim Mühlencafé. Pastor Thomas Steinke startete eine kurze Vorstellungsrunde und gab ein paar Gedanken zum Pilgern allgemein wieder. Umrahmt von Gebet und der Lesung des Psalms 121 machten wir uns dann auf den Weg. Allerdings legten wir den ersten Abschnitt schweigend zurück. Wir haben uns alle daran gehalten, bis auf ein überraschtes „huch“, als der stetige Wind einen Hut vom Kopf wehte. Bei diesem „Schweigemarsch“ hatte jede und jeder nochmals die Möglichkeit, sich mit dem zuvor gehörten Psalm auseinanderzusetzen. Bei der ersten Pause an der Godenstedter Ostebrücke haben wir uns über den Psalm und die verstärkte Wahrnehmungsfähigkeit der Umgebung durch das allgemeine Schweigen ausgetauscht.

Auf der nächsten Etappe hatte man auch die Möglichkeit mit dem Nebenmann oder der Nebenfrau zu „schnacken“. So hat man auch etwas über die anderen Teilnehmenden erfahren können, z. B. aus welchen Beweggründen sie denn dabei sind. Beim nächsten Impuls ging es darum, mit allen Sinnen zu spüren. Mal den einen Sinn ausschalten und die Sensibilität der anderen Sinne stärken. Spüren wie der Wind durch Haare weht, das Rauschen der Blätter hören, einen Marienkäfer beobachten oder einen Kiefernzapfen im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“.

Zur Mittagsrast fanden wir uns am Mühlteich in Bademühlen ein. Eine Stärkung in der Mittagshitze hatte uns nach ungefähr der Hälfte des Weges gutgetan. Passend zum Motto des Nordpfades „Zwei Mühlen“ ging  Pastor Steinke auf Sprichwörter zum Thema „Mühlen“ ein. Wie z.B. das Zitat „Gottes Mühlen mahlen langsam“, das aus einem alten Gedicht stammt. Als Kontrast dazu erzählte er die Geschichte eines Müllers, der seine Mühle selbst abgebrannt hatte, für den aber ein anderer die Schuld dafür auf sich nahm. Letzteres hat nach der Bibel Jesus Christus für alle Menschen getan. Diese Gedanken und ein Mittagsgebet waren „Wasser auf unsere Mühlen“ und gaben uns Kraft für den Rest des Weges. Ein Abstecher zum „Hanni Hase-Wald“, mit Verweis auf die frohe Osterbotschaft, folgte auf der nächsten Etappe. Jeder konnte sein eigenes Wandertempo wählen und auch mal für sich allein des Weges gehen. So trafen wir uns alle an der Weggabelung wieder, an der wir uns zu Beginn auf die Pilgertour einstimmten. Jede und jeder konnte sich nochmals mit drei Fragen auseinandersetzen:

1) Was habe ich heute neu für mich entdeckt?

Für mich war es die Wortschöpfung „LAufmerksamkeit“, die so schön die gefühlte erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit mit allen Sinnen auf dieser Tour beschreibt.

2) Was nehme ich mit?

Ich hatte tatsächlich zwei von den besagten Kiefernzapfen mitgenommen, die sinnbildlich für die Schärfung der Sinne und so unterschiedlich geformt aber auch für die Einzigartigkeit jedes Puzzleteils der Schöpfung standen. „Du bist du, das ist der Clou!“

3) Was möchte ich im Alltag ändern?
Für den Alltag wünsche ich mir auch mehr LAufmerksamkeit, um der Hektik etwas entgegenzustellen. In der Ruhe liegt die Kraft. Dafür kann man beten.

Drei weitere Pilger-Touren auf verschiedenen Nordpfaden sollen noch dieses Jahr folgen. Für alle, die wandern oder sonst in der freien Natur unterwegs sind, die sich nicht scheuen sich mit „fremden“ Leuten auf ein Gespräch über Gott (aber auch über die Welt) einzulassen, für die können auch die nächsten Wanderungen ein tolles Erlebnis werden.

Ich bin gerne wieder dabei, wenn es denn der Terminkalender zulässt... (Da ist schon wieder der schwere Mühlstein des Alltags… 😉)

Thomas Stift,
Bevern, den 02.07.2019

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"Da klären sich Fragen"

Pilgertouren auf den Nordpfaden

Zu vier Pilger-Touren im Landkreis Rotenburg lädt Thomas Steinke, Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven, ein. „Kirche auf dem Weg – Pilgern auf den Nordpfaden“ hat er seine Tagestouren genannt.

„Die Idee zu Pilgern hatte ich schon länger, denn sie passt zu meinem Auftrag“, sagt Steinke. Seit dem vergangenen Jahr besetzt der Theologe diese neu geschaffene Stelle der zwei Kirchenkreise, in der es darum geht, neue Formen von Gemeinde anzustoßen und zu erproben. „Schon in vielen biblischen Geschichten sind Menschen auf dem Weg. Und sie machen dort besondere Erfahrungen mit Gott. Denn er ist nicht nur an einem festen Ort zu finden, sondern er geht mit“, ist Steinke überzeugt.

Zu Fuß unterwegs zu sein, bedeute eine wichtige körperliche Erfahrung und eine Entschleunigung, die heute dringend nötig sei. Durch das veränderte Tempo gelänge es, Dinge neu wahrzunehmen. Und das stehe sinnbildlich für das, worum es Steinke in seiner neuen Funktion gehe: „Bei Innovation geht es erstmal auch um veränderte Wahrnehmung und veränderte Haltung“, erklärt er. Durch verschiedene Anregungen unterwegs möchte er  die Wahrnehmung der Teilnehmenden schärfen und kleine Impulse zum Nachdenken setzen. Denn das passiert laut Steinke beim Pilgern: „Da werden Dinge neu gedacht und da klären sich Fragen.“

Dass er sich vier Strecken auf den Nordpfaden ausgewählt hat, ist dabei kein Zufall. Erstens sind sie ein verbindendes Element zwischen den zwei Kirchenkreisen, in denen er tätig ist. Und zweitens bietet das Pilgern in einer eigentlich vertrauten Umgebung, die Chance, das Gewohnte noch einmal mit wachen Sinnen neu wahrzunehmen.

Die Termine im Einzelnen:

Sonntag, 30. Juni, Beginn um 11.30 Uhr: Nordpfad „Zwei Mühlen“ (Eitzmühlen – Godenstedt – Bademühlen), 11 km, Start- und Zielpunkt: Wassermühle Eitzmühlen, Eitzte 4, Selsingen.

Samstag, 20. Juli, Beginn um 9 Uhr: Nordpfad „Rotenburger Wasserreich“ (Rotenburg – Unterstedt – Bullensee – Hartmannshof), 21 km, Start- und Zielpunkt: Rathaus Rotenburg, Pferdemarkt.

Samstag, 24. August, Beginn um 10 Uhr: Nordpfad „Wümme und Vareler Heide“ (Scheeßel – Varel – Lauenbrück), 14 km, Start- und Zielpunkt: Meyerhof Scheeßel, Am Meyerhof.

Samstag, 14. September, Beginn 10 Uhr: Nordpfad „Eichholz und Franzhorn“ (Gnarrenburg – Franzhorn – Brillitermoor), 13 km, Start- und Zielpunkt: Forst Eichholz Gnarrenburg, Waldstraße nahe Hausnummer 14.

Das Pilgern findet bei jeder Witterung statt. Gutes Schuhwerk ist empfehlenswert und eigene Verpflegung für unterwegs mitzubringen. Die Teilnahme ist kostenlos und eine Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt Thomas Steinke unter Telefon 05193/9662586 oder Mail: thomas.steinke@kkbz.de.


(Pressemitteilung und Foto: Anette Meyer)