Perspektive

Aufbruch im Umbruch

Wir leben in einer Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche:

  • Individualisierung und Pluralisierung führen dazu, dass sich unsere Gesellschaft immer weiter ausdifferenziert. Traditionelle Großgruppen wie Parteien oder auch Kirchen verlieren für viele Menschen ihre Relevanz. Milieus sind nicht klar zu definieren und abzugrenzen: Denn Menschen haben breit gefächerte Interessen und bewegen sich je nach Angebot und aktueller Stimmungslage zwischen verschiedenen Milieus hin und her.
  • Die Digitalisierung verändert unser Verhalten und unser Miteinander auf allen Ebenen. Räumliche Distanzen werden immer bedeutungsloser. Digitale Netzwerke schaffen neue Möglichkeiten, drängen aber auch analoge Begegnungen zurück oder ersetzen sie ganz. Digitale Revolutionen eröffnen einerseits ganz neue Möglichkeiten und schaffen neue Arbeitsfelder, andererseits verändern sie Arbeitsabläufe radikal oder machen ganze Berufe überflüssig.
  • Der Ton der politischen Debatten wird rauer, Polarisierungen nehmen zu und international werden ehemals verlässliche demokratische Bündnisse brüchig.
  • Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen und wird nun auch bei uns in seinen Auswirkungen spürbar.

All das verunsichert und fördert eine pessimistische Sicht auf die Zukunft.

In der Kirche erleben viele Menschen die Umbrüche unserer Zeit als ständig fortschreitende Abwärtsbewegung: Kirche wird älter, kleiner und ärmer.
"Optimierung" lautet vielerorts die Strategie, mit der unter enormen Kraftanstrengungen den allgemeinen Trends entgegengewirkt werden soll: Wir müssen eben noch mehr an unserer Qualität arbeiten, unsere Angebote noch mehr an den einzelnen Zielgruppen orientieren, Bewährtes weiterführen und noch mehr angesagte Events kreieren...
Bei gleichzeitig zurückgehenden Ressourcen - weniger haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, weniger Finanzen - ist die Erschöpfung vorprogrammiert. "Was sollen wir denn noch alles machen? - Wie sollen wir das denn schaffen?"
Also bleibt nichts anderes übrig als den Wandel zu ertragen?

"KAIROS Gemeindeinnovation" geht dennoch davon aus, dass die Zukunft gestaltet werden kann und schlägt einen anderen Weg ein: Erneuerung statt Optimierung.
Erneuerung durch bewussten Rückbezug auf Gott, auf seine Verheißung für die Kirche und seinen Auftrag.
Das führt zu solchen Fragen: Wer sind wir aus Gottes Sicht und wozu sind wir da? Was sind unsere spezifischen Gaben hier vor Ort? Welche Ressourcen haben wir - und welche nicht? Wie können wir den Menschen hier bei uns dienen? Was brauchen sie von uns als Kirche? Wie können wir mit ihnen gemeinsam neue Formen von Gemeinschaft entwickeln?
Und das hat zur Folge, dass wir uns nicht selbst überfordern müssen: Wir verabschieden uns von dem Gedanken, überall das Vollprogramm anbieten zu müssen. Stattdessen leben wir fröhlich unseren Glauben mit dem, was uns gegeben ist, und ergänzen uns gegenseitig als Gemeinden einer Region in lebendiger Nachbarschaft.

Entscheidend ist, wofür die Taube im Logo steht: Wir öffnen uns neu für Gottes Geist und rechnen mit seinem Wirken unter uns und in der Welt. Von ihm erbitten und erwarten wir eine Orientierung in zunehmender Komplexität. Und sind gespannt, in welchen alten und neuen Formen, an welchen alten und neuen Orten er seine Kirche unter uns und mit uns baut.

→ Lesen Sie dazu auch das Interview mit Thomas Steinke und weitere Gedanken unter "Inspirationen".